Das Westfalen-Blatt berichtet

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Mi., 26.09.2018

Nieheimer starten ungewöhnliches Projekt – »Regio Challenge« setzt auf Miteinander

»Nur essen, was um die Ecke wächst«

Im Nieheimer Naherholungsgebiet »Lehmkuhle« warten herabgefallene Äpfel darauf, eingesammelt zu werden. Dorothea Ahlemeyer (37) und ihr Sohn Kolja genießen die Natur.

Im Nieheimer Naherholungsgebiet »Lehmkuhle« warten herabgefallene Äpfel darauf, eingesammelt zu werden. Dorothea Ahlemeyer (37) und ihr Sohn Kolja genießen die Natur. Foto: Harald Iding
Von Harald Iding

Nieheim (WB). In Bremen und anderen Großstädten trägt das Projekt »Regio Challenge« bereits erste Früchte. Es geht darum, eine Woche lang nur das zu essen und zu trinken, was in »Fahrradentfernung« angebaut worden ist. Die Nieheimer sind jetzt auch dabei.

Die 37-jährige Lehrerin Dorothea Ahlemeyer, die aus Nieheim-Entrup stammt und zuletzt in Bremen gelebt hat, sagte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: »Als Mutter eines sechs Monate alten Jungen denke ich auch viel darüber nach, welche Zukunft ihn erwartet und dass wir schon heute schon etwas für eine gesunde Welt tun können.« Gemeinsam mit einer Freundin, die wie sie eine Natur- und Wildnispädagogin ist, entstand die Idee, das ehrgeizige Vorhaben in einer konkreten Herausforderung (»Challenge«) umzusetzen.

 

»Region-Challenge« stößt bundesweit auf Interesse

Ihre »Region-Challenge«, die vor zwei Jahren von Bremen ausging, ist inzwischen eine bundesweite Aktion geworden, die zu einem bewussterem Genuss aufrufen und deutlich machen will, was für lange Strecken inzwischen das Essen meist hinter sich hat, bevor es auf unseren Tischen landet. Ahlemeyer: »Daher wollte wir einmal ganz konkret auf Rohrzucker, Orangensaft, Kaffee, Bananen, Schokolade und Curry auskommen. Es geht um neue Perspektiven, Nahrungsmittel in unmittelbarer Nähe zu nutzen.«

 

Von der Forelle bis zum eigenen Brotaufstrich

Über Mundpropaganda habe sich nun in Nieheim, Entrup, Eversen und Lemgo eine freie Gruppe von Teilnehmern zusammengefunden, die sich an der »Challenge 2018« beteiligen wollten. Und so tauschten sie von Montag bis Sonntag fleißig Brot, Forellen, Korn, Milch und Windfleisch sowie selbst gemachten Brotaufstrich aus.

»Der eine brachte auf dem Rückweg seiner Arbeitsstelle frischen Fisch von der Zuchtanlage in Ovenhausen mit. Ein weiterer besorgte Korn, das wiederum von einer engagierten Teilnehmerin in einer speziellen Getreidemühle für alle gemahlen wurde. Es gab einen regen Austausch unten den etwa 25 Teilnehmern und wir haben richtig viel kommuniziert«, zieht Dorothea Ahlemeyer, die mit ihrem Partner in der Kernstadt von Nieheim lebt, ein überaus positives Resümee.

 

Alle Generationen sind beteiligt

Alle Generationen, vom Säugling bis zum 79-jährigen Senior, seien an der Aktion beteiligt gewesen. Beim Abschlusstreffen hätten alle Beteiligten Gefallen an dem neuen, bewussten Umgang mit Lebensmitteln gefunden. »In unserem Haushalt ist in der Zeit übrigens kaum Verpackungsmüll angefallen. Frische Milch und den Käse habe ich von der benachbarten Schaukäserei erhalten. Obst gibt es zur Zeit sowieso reichlich, da haben wir alle gerne zur Abwechslung einen leckeren Obstkuchen gebacken. Es hat richtig Spaß bereitet und wir haben nachgerechnet: Es war unterm Strich sogar günstiger als vorher.«

 

Zwei »Joker« gehören dazu

Bei diesem »Spiel« gab sogar Joker: Je nach Wunsch konnten über die gesamte Woche hinweg zwei Zutaten verwendet werden, die einen weiterhin mit der großen, weiten Welt verbinden: Öl und Kakao zum Beispiel – oder Salz und Zucker. »Viele haben den Kaffee gewählt, weil sie morgens nicht darauf verzichten wollten. Auch das Salz blieb wichtig.«

 

»Es wurde eine Schlemmerwoche«

Aus dem Gedanken von einst, die Welt im kleinen, eigenen Lebensraum zu verbessern, sei schon so etwas wie eine Bewegung geworden, findet Dorothea Ahlemeyer. Sie schwärmt: »Durch den intensiven Austausch mit den anderen ist es zu einer Schlemmerwoche geworden – auch mit süßen Smoothies aus Fallobst. Wir haben eigentlich auf nichts verzichten müssen.«

 

Pflaumenmus statt Schokolade

Statt Schokoriegel gab es eine Brotschnitte mit Pflaumenmus, auch die Jugendlichen hätten es genossen. Bei der Schlussbesprechung sind sich alle einig gewesen, dass sie auf jeden Fall in dieser Richtung weitermachen wollen. Denkbar wäre zum Beispiel die Gründung eines Genossenschaftsladens mit regionalen Produkten. Wer Ideen und Anregungen hat, könne sich per Mail an Ahlemeyer wenden unter: »d.ahlemeyer@googlemail.com.«

https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Hoexter/Nieheim/3489899-Nieheimer-starten-ungewoehnliches-Projekt-Regio-Challenge-setzt-auf-Miteinander-Nur-essen-was-um-die-Ecke-waechst



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